02.02.20

ersatz muss her

mich in algen einwickeln

Oft denke ich an J. und dass ich sie gerne als Mentorin hätte. Ich mag sie sehr, ihre Stimme, die ich nur von einer einzigen Videoaufnahme kenne, sehr flüchtig und schnell vorbei. Das Video hat sie nicht für mich gemacht, aber das könnte so sein, in meiner Vorstellung könnte es so sein. Es würde passen, der Inhalt würde zwischen uns beide passen, als wären ihre gesprochenen Worte eine Verbindungslinie, die sich aber aufgerollt und als Kabelsalat zwischen uns gelegt hätte. - Ich bin wieder verliebt. Oder verknallt, ich weiß es nicht, wo zieht man da die Grenze - und ist sie gültig für alle?

Mich in Algen einwickeln, aber dabei an J. denken und mir wünschen, sie wäre diese Algen. Vielleicht wäre sie auch einfach J., aber mit Handgelenken - die eigentlich Algengelenke heißen müssten, denn Hände gäbe es bei J. nicht - aus deren Gelenköffnung schwirrend Algenfäden hervorkämen. Im Meer unter Wasser würden sie sich ausweiten und Wachstum beherrschen. Ich schwämme meine Bahnen, an toten Vögeln oder Fischen vorbei, die auf der Wasseroberfläche lägen - die Wellen haben sie neben mich getragen.
Bei den Schwimmbewegungen spüre ich meinen Rücken, ich fühle wie mein Kreuz sich öffnet, starkes Kreuz mit vielen Muskeln darin, die anschwellen, um den nächsten Zug durch die Wellen zu nehmen. Vielleicht der einzige Bezug, den ich jemals zu meinem Rücken hatte, wo ich mir sicher war, ja er ist da, weil ohne ihn käme ich nicht durch die Wellen. Wenn J. mit behutsamen Fingerspitzen über meine Schulter streichen würde, dann müsste ich das auch spüren. Leider kenne ich ihre Finger nicht und Finger haben alle, das ist also nichts so besonderes, das sie mir in meiner Vorstellung irgendwie näher bringen könnte.

J. hat sowieso Algen, die mich von unterhalb des Wassers finden und sich um mich schlingen. Sie schlingen, sie tun das liebevoll und ich wickle mich darin ein. Sie hat mich aufgespürt, um mich zu ermöglichen. Ich denke nicht mehr an ihre Handgelenke, die es in der Wirklichkeit geben muss, die Wirklichkeit interessiert mich selten, weil sie unerreichbar ist. J. ist unerreichbar, denn ich kenne bloß das Video von ihr, wo ich sie sprechen höre, aber mehr weiß ich nicht aus der Wahrhaftigkeit. Das ist aber für mich kein Problem, ich versuche es so gering wie möglich zu halten, zb habe ich auch gar keine Fragen an J. Ich meine, ich könnte ja auch ein Video von mir ins Internet stellen und darauf ein paar Fetzen reden und zb meine Fragen stellen: wer bist du eigentlich? Und: wie stehst du zu Algen in der Realität? Aber das wäre zu unspezifisch, womöglich würden alle denken, es ginge mir ums Essen.

J., es gab diese Zeit in meinen jungen Jahren, in der ich nachts oft Krämpfe in den Waden bekam und davon wach wurde. Gerade hatte ich wieder so einen Krampf und ich streckte die Ferse und dachte wie gut täten mir jetzt ihre Algen als Beinwickel. Jetzt bin ich ernüchtert von meiner Aggressivität, in Gedanken über ihren Körper zu bestimmen. Ernüchtert über meine heraushängende Zunge, die über den Boden schleift und Staub aufliest. Das ist nicht das, was mich satt macht. Ich weiß nicht, ob J. mich satt machen würde. Ich verspreche mir keine Erfolge, obwohl es alles ist, wonach ich mich sehne. Aber mein Scheitern sendet mir Botschaften. Generell sendet mir alles Botschaften. Ich liege wieder auf meinem Handtuch, ich habe mich nicht abgetrocknet, ich bin noch mit Tropfen übersät. Ich denke an J. und ihre Algenschlingen, die mich nass bestimmt anziehender fänden, als getrocknet.


Deine Scheu? Ist mir egal,
ich leck das Meersalz von deinen Schlingen
und schenk dir meinen herausfordernden Blick, der dich von unten her trifft.


(Ich könnte mit niemandem so bequem liegen wie mit dir) 



mein geist lebt nicht im körper
meine geister sind im kopf
durchs neuronale strukturen-labyrinth wehen sie
wirbeln staub auf



meine texte :
ein ausdruck des inneren abbruchs
immer nur fragmente
nicht zu ende gedachte und geschriebene sätze

ich lass alle lesende alleine mit diesem unbefriedigenden zeug, weil es mir in mir auch so geht
nur der unterschied zwischen uns ist dass ich nicht sagen kann ich finds scheiße und hör auf den blog den text den account zu lesen
weil ich das b i n und nicht aus mir raus gehen kann - ich habs wirklich versucht

ja, es können sich einzelne ichs selbstständg machen, den körper übernehmen, mit ihm auf eine reise gehen, aber wie lange denn? wie lange denn?
niemals lang genug, um vor den anderen zu fliehen, um ihnen für immer zu entkommen, wenn doch alle am selben ort leben
das gegenseitige verdrängen mit der intention, allein und selbstständig losgelöst von den anderen zuständen zu leben wird unterdessen vom empörten, verletzten rest bestraft,
je nachdem, w e r gehen wollte

gescheiterte fluchtversuche - meine traumthemen seit drei oder vier jahren. als zum ersten mal die worte aufs papier flossen, dass ich nicht allein in mir lebe, dass da zustände sind, die nicht ich sind, dass ich in gedichten drüber schrieb mir den kopf teilen zu müssen - gedichte, die ich selbst nicht verstand weil es so absurd klang
ich wollte nicht eine von vielen sein, die sich durch interessante themen- und wortwahl vor anderen profiliert, bis sie neidisch kucken weil sie mich so mystisch finden und die texte so arg - nicht loslassend und in verwirrung verbannend


ACHJA ob ich meine texte lektorieren lasse? ich lache           bitterböse
wer könnte mich lektorieren? wenn alle von ihnen die das machen kein verständnis für mein kopfleben haben?
alle lektorieren mich falsch weil ihnen verständnis fehlt. sie sagen dann: da und da muss a l l e s geändert werden, das ist irrelevant, das ist nicht benötigter kleinkram, zusatzinformation, die langweilt die interessierten leser*innen. das streichen wir, das ändern wir

dabei streichen sie gerade mich, teile meines kopfes. ist es krass dass ich das nicht kopflich aushalte?
es ist krass invalidierend

herausgebende & lektorierende
wollen meinen kopf
weg-lektorieren

erst dann ist der text für sie perfekt
bin ich für sie perfekt
wenn nichts mehr von mir übrig ist


ein paar meiner teile leben in dem was ich schreibe, sie leben nur im text
mein anspruch ist es nicht, für alle lesbar zu sein
nicht für die und die potentiell interessierte leser*innen-gruppe für die alles abgeändert werden müsste, damit es deren interesse weckt und aufrecht erhält. nein danke
ich verzichte gerne auf alle die es nicht interessiert, ihr interessiert mich ja auch nicht
(für die, für euch ändere ich gar nichts ab, nur damit ihr es versteht. es geht nicht um die, nicht um euch. checkt das.)

das was wirklich da ist schreibe ich, es geht darum es rauszulassen
es geht mir nicht ums geld; es geht mir nicht darum massentauglich zu sein; es geht mir nicht darum, mich perfekt zu ändern, um leichter konsumiert werden zu können, dass ich mit leichtigkeit von allen die wollen verschlungen werden kann, dass sie erregung dabei verspüren, weil sie meinen meine texte zu verstehen und den schluss daraus ziehen auch mich zu verstehen


ich bin auf der SUCHE
ich suche gleichgesinnte
mehr nicht 
 


die       augenringe
                                                                           krabbeln

tag       für
tag
                                                                                immer              weiter

                                      das  ge
s ich t                                                                                                                                         he
                                                                                                                                                    run
                                                                                                                                                        t    e
                                                                                                                                                   r




mit binder fühlte es sich an wie ein schutz vor dem außen
das kann genutzt werden für schlimme tage, an denen der körper keine grenze zur umwelt darstellt
das bedeutet nicht dass ich trans bin, ja ich hab dich gehört, iist schon okay, ich zwinge hier niemanden zu neuen erkenntnissen und der akzeptanz von diesen.!
dieser körper kann einen binder bestellen und ihn tragen, wenn er sich damit an manchen tagen besser fühlt, das ist alles. ich weiß doch, dass du (gerade) nicht zu neuen feststellungen fähig bist
das aufwachen an jedem neuen tag ist genug anstrengung; damit geht die feststellung des gerade anwesenden ichs einher, dass er*sie einen körper hat und exisitiert
das reicht auch erst einmal
das bedeutet auf keinen fall, dass ich es schlimm fände, trans zu sein. ich fände es eher sehr gut, wenn ich wüsste, wer oder was ich bin, aber ich schaffe es nicht. vielleicht liegt es daran, dass ich in verschiedenen zuständen verschieden bin und mich daher nicht auf nur eine einzige definition von identität (-sauslegung) festlegen kann

die angst vor meinem gesicht im handy bleibt
fotos aus unterschiedlichen zuständen
wenn ich das sehe steigt die verwirrung
die ich gerade nicht verkraften kann


- alles was du bisher auseinander genommen hast vs alles was dich bisher auseinander genommen hat - 


jetzt & hier, weit weg und außerhalb des gebäudes der therapie kann ich nicht mit gewissheit sagen, dass es diesen ort wirklich gibt. tief in meinem kopf drin ist die information darüber vorhanden, ich mache irgendwo therapie und ich kann mir den raum auch mehr oder minder visualisieren, aber die realistische einschätzung dessen ist schwierig wegen inneren gegensätzlichkeiten. "es ist mittlerweile so, dass ich dort nicht mehr einschätzen kann (EP?), ob das, was ich um mich herum wahrzunehmen scheine, auch tatsächlich passiert oder nur ein produkt / eine projektion meines kopfes ist. weil ich fieber ja auch so oft vor mir sah, sie mir heraufbeschwören konnte, aus meinem kopf raus und vor mich hin, sodass es von willkür geprägt schien, ob und wie ich auf sie reagiere, weil ist sie denn jetzt wirklich da?"
ich werde zum passiven beobachter*, der darauf wartet, dass etwas passiert, das das geschehen der situation voran treibt, um zu schauen, ob er/ich sich involviert fühlt und partizipiert. (was trotzdem noch kein beweis für das wahrhaftige existieren dieser situation und deren auswirkungen ist)



ich liege ja noch im bett, neben e. der schläft, aber ich könnte jetzt, wenn ich aufhören würde mich anzustrengen die körperspannung beizubehalten, einfach innerlich & äußerlich zusammenklappen wie ein wäscheständer, dem man einen tritt gegeben hat, der daraufhin mit dem gesicht im gras liegt und alle extremitäten seltsam am körper verteilt liegen

"OHNE stabile IDENTITÄT ~~~> disabled
 SOMATOFORME STÖRUNG durch MISSEMPFINDEN einzelner KÖRPERBEREICHE bzw. die EINSTELLUNG darüber"

9 : 3 8 uhr  iCH wiLL ein SHUTDOWN dieses SYSTEMS

impuls meine social media accounts mit dem hinweis auszustatten dass ich disabled bin
als entschuldigung? vielleicht damit leute die erwartungen an mich mindern
als persönliche sicherheit womöglich
dabei hab ich mich innen noch gar nicht geeinigt ob ichs in diesem körper wirklich disabled sind und falls einzelne, ob man das dann schon disabled nennen dürfte, wenn bei mir eh immer alles im stetigen wandel ist, immer alles nur von sich gegenseitigen verdrängenden zuständen beherrscht wird





dass fremde menschen kommen und auf meinen brustkorb zugreifen würden. sie würden sich bedienen an meinen innereien und meine ausgeweidete hülle zurücklassen. SO fühlt es sich an.

mein gesicht fängt dann unkontrolliert an zu zucken wenn ich an menschen vorbeilaufe und der ekel spürbar in jeder faser des körpers,
das sind schockwellen durch mich durch, bei jeder begegnung mit menschen draußen,
es macht das laufen schwer, ich bekomm angst, ich bin ohne kontrolle

sie alle könnten mich ausweiden, jederzeit